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Interviews

André Kutschmann: Für die Anwaltschaft in Brüssel

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Nachdem André Kutschmann während Studium, Referendariat und einer anschließenden Tätigkeit in einer Rechtsanwaltskanzlei mehr als 10 Jahre in Leipzig verbrachte, arbeitet er seit Beginn dieses Jahres nun im Brüsseler Büro des Deutschen Anwaltsvereins als Referent für EU-Themen, um die Interessen der Anwaltschaft auf europäischer Ebene zu vertreten.

Aus welchen Gründen sind Sie nach Brüssel gekommen?

Der Schritt nach Brüssel erfolgte in erster Linie berufsbedingt, wo ich aufgrund meines Interesses am EU-Recht, einer Tätigkeit im internationalen Kontext und einem mehrsprachigen Umfeld, eine Stelle als Referent im Büro des Deutschen Anwaltsvereins (DAV) in Brüssel angetreten habe, um die für Anwältinnen und Anwälte relevante europäische Gesetzgebung zu verfolgen.

Was liegt gerade ganz oben auf Ihrem Schreibtisch?

Neben der inhaltlichen Begleitung aktueller europäischer Gesetzgebungsverfahren im Zivil- und Zivilverfahrensrecht sowie im Bereich Asyl und Migration, beschäftige ich mich derzeit auch mit den Vorbereitungen für unsere Jahresveranstaltung, dem »Europäischen Abend« des DAV. Dies umfasst die Auswahl und Ausgestaltung der Themen sowie die inhaltliche Aufbereitung aktueller Gesetzgebungsverfahren, wie der Verordnungsvorschlag zur Digitalisierung der Justiz oder die neue Produkthaftungsrichtlinie.

Was ist Ihr Lieblingsort in Belgien?

Da ich leider bisher noch nicht die Möglichkeit hatte durch Belgien zu reisen, muss ich mich hier zunächst noch auf Brüssel beschränken, wo aber jedenfalls der Park »Bois de la Cambre« sowie der Wochenmarkt auf dem Place Flagey mit seiner Vielzahl an internationalen Street-Food Angeboten zu meinen absoluten Lieblingsorten zählen.

Was schätzen Sie an Brüssel, was weniger?

An der Stadt Brüssel schätze ich insbesondere deren Internationalität sowie die Gelassenheit der Brüsseler Bevölkerung. Weniger gut finde ich dagegen die teilweise enge Bebauung und, in der Tat, die Brüsseler Art der Müllentsorgung bzw. deren nicht so schöne Auswirkungen auf das Stadtbild.

Was vermissen Sie am meisten aus Sachsen?

Definitiv die weiten Parks und großen Straßen Leipzigs sowie die, im Vergleich zur Brüsseler »EU-Blase«, Bodenständigkeit der Leipziger.

Vivien Wohsmann: Eine Weltfrau aus Sachsen

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Vivien Wohsmann ist im heutigen Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge (damals noch Weißeritzkreis) aufgewachsen und hat dort bis zum Abschluss ihres Abiturs gelebt. Nach einem Work-and-Travel Aufenthalt in Neuseeland und Australien studierte sie in England und Schweden, wo sie mit einem Master abschloss. Danach ging sie nach Brüssel und arbeitete im Europäischen Parlament. Derzeit ist sie parlamentarische Referentin für die österreichische Europaabgeordnete Sarah Wiener. Dort betreut sie den Ausschuss für Umwelt, Gesundheit und Lebensmittelsicherheit.

Warum sind Sie nach Brüssel gekommen?

Nach Brüssel gekommen bin ich sowohl der Liebe als auch der Arbeit wegen, weil mein jetziger Ehemann damals schon in Brüssel gearbeitet hat. Mit meinem Mann, der eine schwedische und griechische Staatsbürgerschaft hat, spreche ich Englisch, was ganz gut passt. Brüssel ist eine sehr internationale Stadt. Außerdem habe ich in meinem Studium der Politikwissenschaften auch das Fach europäische Studien belegt. Deswegen war Brüssel eine logische Wahl für mich.

Was macht den Job für Sie interessant?

Im Europaparlament bin ich mittendrin sowohl bei den politischen Themen, aber auch bei den Menschen, denen ich täglich begegne. Die Menschen hier haben alle unterschiedliche Hintergründe. Daraus ergibt sich eine unglaubliche Abwechslung und hält meine Arbeit spannend.

Was liegt gerade ganz oben auf Ihrem Schreibtisch?

Das ist die Gesetzgebung zu den Pestiziden; vor allem die neue Verordnung zum nachhaltigen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, da Sarah Wiener Berichterstatterin für dieses Dossier geworden ist. Das wird mich in den kommenden Monaten sehr beschäftigen.

Was ist Ihr Lieblingsort in Brüssel und Belgien?

In Brüssel mag ich mein Wohnviertel Saint Gilles. Ich wohne in der Nähe der Parks Foret und Duden, die mir beide sehr gefallen, auch wenn sie nicht spektakulär sind. Besonders der Duden-Park ist ja fast schon ein Wald mit seinen großen Buchen. Dort laufe ich gerne, was ein guter Ausgleich zur sehr geschäftigen Innenstadt ist. In Belgien mag ich die Ardennen. Ich bin gerne bei Lüttich oder im belgischen Teil der Eifel, dem Hohen Venn, wo ich gerne wandere.

Was mögen Sie in Brüssel und was gefällt Ihnen weniger in der Stadt?

Brüssel ist eine abwechslungsreiche Stadt. Hier ist immer was los. Trotzdem ist Brüssel nicht zu groß. Gerade im Sommer gibt es viele Festivals und Kunstaktionen. Wenn man möchte, kann man immer unterwegs sein. Nicht so schön finde ich, dass alles etwas chaotisch ist. Die Organisation innerhalb der Stadt könnte besser sein. Andererseits macht es die Stadt auch entspannter, weil es nicht perfekt sein muss. Der starke Autoverkehr stört mich, da ich viel Fahrrad fahre. Das ist schon stressig. Die positiven Punkte der Stadt überwiegen aber auf jeden Fall.

Was vermissen Sie am meisten aus Sachsen?

Mir fehlt der Ausblick übers Land bis zum Horizont, so wie ich es aus Sachsen kenne. Deswegen gefallen mir wohl auch die Ardennen: schöne grüne Hügel und die Berglandschaft. Die Menschen in Sachsen mit ihrem eigenen Charakter, die fehlen mir manchmal auch. Nach Sachsen komme ich immer noch oft und gern, da ich noch Freunde und Familie dort habe.

Anke Geißler: Habe mein Herz an Brüssel verloren

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Die ausgebildete Übersetzerin liebt die tägliche Themenvielfalt ihrer Arbeit, die viel Abwechslung bietet und ihr den Austausch auf Fachveranstaltungen, Konferenzen oder unter Kollegen ermöglicht.

Warum sind Sie nach Brüssel gekommen?

Ich bin das erste Mal im Rahmen meines Studiums nach Brüssel gekommen und hatte mein Herz an die Stadt verloren. Nachdem ich meinen Abschluss als ausgebildete Übersetzerin in der Tasche hatte, wollte ich gern im Ausland arbeiten und bin zurück nach Brüssel gegangen und geblieben.

Was macht den Job für Sie interessant?

Interessant an meiner Tätigkeit ist, dass ich Themen vorantreiben kann, die mir auch persönlich mit am Herzen liegen. Die Themenvielfalt mit der ich täglich zu tun habe, bietet viel Abwechslung und der Austausch dazu mit anderen – sei es auf Fachveranstaltungen, Konferenzen oder unter Kollegen – ist immer bereichernd.

Was liegt gerade ganz oben auf ihrem Schreibtisch?

Ich bin im Brüsseler Büro der DATEV für die Nachhaltigkeitsthemen rund um den Green Deal zuständig. Derzeit liegt der EU-Lieferkettenvorschlag als auch die Berichterstattung ganz oben auf meinem Tisch.

Was ist Ihr Lieblingsort in Belgien?

Da gibt es mehrere Orte. Ich bin sehr gern in den Ardennen, hier ist mein bevorzugtes »Revier« das Hohe Fenn. Aber auch die Stadt Gent oder der Westhoek an der belgischen Küste haben ihren besonderen Reiz.

Der Vorteil von einem kleinen Land wie Belgien ist, dass man recht schnell von einem Ort zum andern kommt und somit die Lieblingsecken schnell für einen Tagesausflug oder ein Wochenende erreichbar sind.

Was schätzen Sie an Brüssel besonders?

Ganz spontan kann ich hier die gute Schokolade nennen. Außerdem bin ich ein großer Fan von Victor Horta und seinen Jugendstilbauten.

An den Belgiern schätze ich, dass sie nicht mit einer deutschen Genauigkeit vorgehen und nicht alles so furchtbar ernst nehmen. Auch wenn eine Situation noch so verzwickt erscheint, wird meist am Ende irgendein Kompromiss (à la belge) gefunden.

Was vermissen Sie am meisten aus Sachsen?

Die sächsischen Leckereien, wie die Leipziger Lerchen oder sächsischer Sauerbraten mit Klößen. Zur Weihnachtszeit vermisse ich die sächsischen Weihnachtsmärkte und die typische Weihnachtsdekoration (z. B. Schwibbögen mit erzgebirgischen Motiven, Bergmann und Engel etc.), aber auch den Dresdner Stollen oder die Pulsnitzer Pfefferkuchen.

Falls die Sehnsucht nach der alten Heimat doch mal zu groß wird, schalte ich den Leipziger Lokalsender »Radio PSR« ein, denn mit den Sketchen in sächsischer Mundart fühlt man sich sofort wieder zu Hause.

Matthias Popp: AHK debelux – immer ein offenes Ohr für Unternehmen

© AHK debelux

Der in Olbernhau und in Chemnitz aufgewachsene Diplom-Volkswirt arbeitet als Fachbereichsleiter bei der Deutsch-Belgisch-Luxemburgischen Handelskammer (AHK debelux) und kümmert sich dort unter anderem um die Themenbereiche »Umwelt und Verpackungen«.

Warum sind Sie nach Brüssel gekommen?

Ich fand die Vorstellung interessant, im Ausland in einem internationalen Umfeld zu arbeiten und habe deswegen beim damaligen Brüsseler Verbindungsbüro des Landes Sachsen-Anhalt ein Praktikum abgeleistet. Zunächst habe ich ein Jahr lang bei einem IT-Dienstleister gearbeitet, als mich dann die Deutsch-Belgisch-Luxemburgische Handelskammer gefragt hat, ob ich mir vorstellen könnte, für sie zu arbeiten … das war vor über 20 Jahren.

Was macht den Job für Sie interessant?

Ich schätze sehr das praxisorientierte Arbeiten: Mitglieder und Kunden/innen kommen mit einer Frage zu mir und wir arbeiten gemeinsam an Lösungen. Die Themen umfassen vor allem Aspekte der erweiterten Herstellerverantwortung in Belgien, Deutschland oder Luxemburg.

Was liegt gerade ganz oben auf Ihrem Schreibtisch?

Momentan erreichen mich vermehrt Firmenanfragen, die aus der Neufassung des Verpackungs- sowie des Elektrogesetzes in Deutschland resultieren. Es geht hier insbesondere um Registrierungs- und Nachweispflichten bei der Stiftung Zentrale Stelle Verpackungsregister und der stiftung elektro-altgeräte register in Bezug auf Verpackungen und Elektrogeräte.

Was ist ihr Lieblingsort in Brüssel?

Die Moore von Ganshoren-Jette (Le marais de Ganshoren-Jette/Het moeras van Ganshoren-Jette). Dort vergesse ich, dass ich eigentlich in einer Großstadt wohne.

Was schätzen Sie an Brüssel besonders?

Brüssel erfindet sich ständig neu und nimmt sich dabei nicht zu ernst. Im Grunde genommen ist die Stadt ein gutes Beispiel für eine Stadt im ständigen Wandel.

Was vermissen Sie am meisten aus Sachsen?

Zur Weihnachtszeit die erzgebirgische Weihnachtsatmosphäre und ganz konkret die Möglichkeit, Pyramidenkerzen zu kaufen.

Isabel Reißmann: Leidenschaftlich für Sprache(n)

© Isabel Reißmann

Die gebürtige Vogtländerin ist selbständige Trainerin für professionelle Konferenzdolmetscher bei den EU-Institutionen (Parlament, Kommission, Rat) in Brüssel sowie Trainerin für politische Sprache und Rhetorik für den weltgrößten Dolmetscherverband AIIC.

Vorher war sie bei der Generaldirektion Übersetzung der Europäischen Kommission, hat Ausflüge in den EU-Journalismus unternommen und einen Sprachkurs für UNICEF in Berlin aufgebaut.

Warum sind Sie nach Brüssel gekommen?

Ich habe Linguistik, Literaturwissenschaft sowie Medien- und Kommunikationswissenschaft in Leipzig studiert. Nach dem Studium konnte ich als Praktikantin bei der Leibniz-Gemeinschaft zwischen Berlin und Brüssel wählen. Da ich neugierig auf das Ausland war und einen Blick über den Tellerrand werfen wollte, habe ich mich für Brüssel entschieden und bin danach einfach hiergeblieben.

Was macht den Job für Sie interessant?

Als Linguistin ist eine Sprache für mich nicht genug, deshalb schätze ich den Austausch in verschiedenen Sprachen sehr. Ich mag den Kontakt zu meinen Klienten, die – im Umfeld von 24 Amtssprachen arbeitend – Interesse an der deutschen Sprache und Kultur haben. Ich habe den kleinen missionarischen Anspruch an mich selbst, diese Dinge so spannend wie möglich vorzustellen. Umgekehrt gibt mir das auch die Möglichkeit, mich selbst zu hinterfragen. Von Goethe stammt dieses schöne Zitat »Wer fremde Sprachen nicht kennt, weiß nichts von seiner eigenen,« und das trifft auch auf Kultur zu.

Was liegt gerade ganz oben auf Ihrem Schreibtisch?

Ich organisiere aktuell einen Sommerkurs für professionelle Konferenzdolmetscher aus Brüssel in Berlin. Schwerpunkte sind die deutsche Sprache und Politik, vor allem mit Blick auf die aktuellen Debatten zu Energiepolitik, Verteidigung und der Kolonialvergangenheit. Neben den Kursen habe ich beispielsweise auch Führungen durch die politischen Institutionen Berlins für die Teilnehmer geplant.

Was ist Ihr Lieblingsort in Brüssel?

Ich habe drei Lieblingsorte: Der Jubelpark ist zu jeder Jahreszeit schön, gerade mit dem kleinen Biergarten im Sommer. Außerdem bin ich gern im Zonienwald am Stadtrand von Brüssel. Als leidenschaftliche Sängerin liebe ich auch die »musikalischen Orte« in Brüssel, allen voran das Bozar.

Was schätzen Sie an Brüssel besonders?

Die Unkompliziertheit der Menschen. Und mir gefällt es, dass man hier Leute unterschiedlicher Herkunft trifft, weil einem das so viele Möglichkeiten eröffnet. Ich kann zum Beispiel einfach thailändisch oder indisch essen gehen, auch wenn ich von diesen Möglichkeiten leider viel zu selten Gebrauch mache.

Und natürlich die Schokolade!

Was vermissen Sie am meisten aus Sachsen?

Meine Familie! Und das Brot! Auch wenn ich mir bei den Bäckern auf den Wochenmärkten Abhilfe verschaffen kann. Als großer Fan der Barockmusik vermisse ich auch manche Konzerte, die man in Sachsen besuchen kann, aber hier nicht. Und auch die sächsische Gemütlichkeit fehlt mir manchmal.

Dr. Diana Fournet: Neue Wahlheimat Brüssel

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Diana Fournet ist gebürtige Karl-Marx-Städterin (heute Chemnitz), wo sie auch aufwuchs. Sie studierte in den USA und in England und promovierte schließlich im englischen Durham zur Evolutionären Anthropologie. Anschließend lebte sie in Frankreich, wo sie auch zwei Kinder zur Welt brachte. Eine wissenschaftliche Ausbildung, Sprachkundigkeit – sie spricht drei Sprachen fließend (und lernt gerade noch zwei weitere Sprachen) – und die Liebe zur Arbeit in einem internationalen Kontext verschlug sie schließlich nach Brüssel, wo sie heute in der Vertretung des Freistaates Bayern bei der EU im Bereich Haushalt tätig ist.

Warum sind Sie nach Brüssel gekommen?

Nach meinem Studium in den USA und in England sowie meinem 6-jährigen Aufenthalt in Frankreich wollte ich weiter im Ausland bleiben. Außerdem interessiere ich mich für den öffentlichen Dienst, wo ich auch vor dem Studium schon einmal tätig war. Da kam mir eine Stellenausschreibung der Bayerischen Landesvertretung in Brüssel sehr gelegen.

Was macht den Job für Sie interessant?

In erster Linie ist es das Arbeiten im internationalen Kontext und hier ganz konkret die Herausforderung, die unterschiedlichen Verwaltungsvorschriften in Belgien und Deutschland – etwa im Arbeits- oder auch im Steuerrecht – in meiner täglichen Arbeit stets parat zu haben. Dies beinhaltet einen ständigen Lern- bzw. Weiterbildungsprozess. Gleichzeitig ist es ein Privileg, inmitten des Europaviertels arbeiten zu dürfen und so auch die Möglichkeit zu haben, an Fachveranstaltungen zu aktuellen Europathemen teilzunehmen.

Was liegt gerade ganz oben auf Ihrem Schreibtisch?

Oberste Priorität meiner Tätigkeit ist es, zusammen mit meinen Kolleginnen das reibungslose Funktionieren des Verwaltungsbereichs in der Bayerischen Vertretung zu gewährleisten. Das beinhaltet in meinem speziellen Aufgabenzuschnitt insbesondere den Bereich der Buchhaltung und damit auch sämtliche Abrechnungsfragen – angefangen von den Mitarbeitern der Vertretung bis hin zur Rechnungstellung im Veranstaltungsbereich. Insofern liegen wichtige Buchhaltungsdokumente stets ganz oben auf meinem Schreibtisch.

Was ist Ihr Lieblingsort in Brüssel?

Ich liebe die ganze Stadt mit ihrem vielfältigen Angebot an fantastischem Theater und Konzerten. Eine großartige Empfehlung ist ein Nachmittag im Park Josaphat. Der Stadtteil Schaerbeek ist die neue Heimat für mich. Wenn man den Abend in St. Gilles ausklingen lassen kann, was wegen der vielen hier lebenden Franzosen auch immer wieder »St. Paris« genannt wird, dann fehlt nichts an dem, was meine neue Heimat beschreibt.

Was schätzen Sie an Brüssel besonders?

Lassen Sie es mich mit einer Anekdote erzählen: Vor einiger Zeit war ich Zeugin eines Verkehrsunfalls mit insgesamt sieben Zeugen aus sieben verschiedenen Ländern. Wo kann einem so etwas schon passieren? Ohne Stirnrunzeln. Ohne Kommunikationsprobleme. Ganz normaler Alltag. Mit anderen Worten: Ich schätze die Multikulturalität. Die Belgier sind unkompliziert, liebenswert und chaotisch, immer für ein Bierchen oder einen Apéro und improvisierte Picknicks zu haben. Sie sind ein verlässliches, feierfreudiges und lustiges Völkchen. Ich finde hier einfach alles, was mein Leben bereichert.

Was vermissen Sie am meisten aus Sachsen?

Den sächsischen Kuchen, vor allem Mohnkuchen. Auch Quark ist hier schwierig zu besorgen. Außerhalb der Weihnachtszeit vermisse ich nichts. Aber wenn Weihnachten kommt, wird die Liste lang, wonach ich mich sehne: Schnee, Berge, Skifahren, gute Lebkuchen, guten Glühwein und die ganze erzgebirgische Weihnachtsdekoration. Sachsen ist und bleibt für mich zur Weihnachtszeit der »heimelichste« Ort.

Sebastian Claus: Für die Forschungsförderung in Brüssel

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Sebastian Claus ist gebürtiger Dresdner, wuchs in Coswig und Weinböhla auf und studierte in Hamburg Volkswirtschaftslehre. Anschließend war er als Projektmanager für EU-Forschungsprojekte am Uniklinikum Tübingen tätig. Im Jahr 2015 hat es ihn dann zurück in die Hauptstadt der EU verschlagen. Hier arbeitet er als Berater für Projektmanagement und Verbundforschung im Büro Brüssel der Kooperationsstelle EU der Wissenschaftsorganisationen (KoWi).

Warum sind Sie nach Brüssel gekommen?

Das erste Mal nach Brüssel bin ich direkt nach dem Studium gekommen, um als Praktikant Erfahrungen im Bereich EU-Politik zu sammeln. Dem EU-Bereich bin ich seitdem treu geblieben und nach meiner Zeit als EU-Projektmanager in Deutschland gerne wieder in die »Hauptstadt der EU« zurückgekehrt.

Was macht den Job für Sie interessant?

Mir macht es Spaß, unsere Forscher/innen und deren Einrichtungen dabei zu unterstützen, Förderung für ihre genialen Ideen zu erhalten und ihre Projekte umzusetzen. Außerdem finde ich die Zusammenarbeit und den Austausch mit den europäischen Kolleg/innen für den eigenen Horizont unheimlich bereichernd. Und als Fremdsprachenfan hat man hier täglich die Möglichkeit, sich »auszutoben« und Neues zu lernen.

Was liegt gerade ganz oben auf Ihrem Schreibtisch?

Ein Bericht zur Förderung mit Lump sums. Die Europäische Kommission hat sich zum Ziel gesetzt, die Projektförderung zu vereinfachen und möchte deshalb verstärkt Projekte nicht mehr anhand der tatsächlichen Kosten, sondern über Pauschalen finanzieren. Das ist ein spannendes Vorhaben, was aber unsere Universitäten und Forschungseinrichtungen vor einige Herausforderungen stellt.

Was ist Ihr Lieblingsort in Brüssel?

Der Weg, wenn man vom Place Royale den Mont des Arts hinabsteigt, also der Übergang von der Ober- in die Unterstadt. Ich laufe dort fast jeden Tag auf meinem Heimweg von der Arbeit entlang, aber finde diesen Blick auf das Stadtzentrum auch nach sieben Jahren immer wieder aufs Neue beeindruckend.

Was schätzen Sie an Brüssel besonders?

In Brüssel treffen auf kleinem Raum unterschiedlichste Welten und Kulturen aufeinander: die EU-Community mit den Vertreter/innen aus den europäischen Ländern, Flamen, Wallonen, Menschen aus den Maghreb-Staaten und Zentralafrika u. v. m. Diesen Mikrokosmos der Vielfalt, der manchmal etwas chaotisch, aber grundsätzlich von einer großen Offenheit gegenüber dem und den Anderen geprägt ist, möchte ich nicht mehr missen.

Was vermissen Sie am meisten aus Sachsen?

Meine Familie, ein anständiges Stück Dresdner Eierschecke und die Stimmung zur Weihnachtszeit mit dem allgegenwärtigen Räucherkerzenduft.

Jiří Zapletal: Ein Finanzer aus dem Erzgebirge

© Ständige Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei der EU

Als Finanzattaché und stellv. Leiter des Referats Finanzdienstleistungen in der Ständigen Vertretung Deutschlands bei der EU verhandelt Jiří Zapletal verschiedenste EU-Legislativvorschläge aus dem Banken- und Finanzdienstleistungsbereich.

Aus welchen Gründen sind Sie nach Brüssel gekommen?

Vor einigen Jahren war ich schon einmal in Brüssel und habe meinen damaligen Aufenthalt in sehr positiver Erinnerung behalten. Als sich mir die Möglichkeit bot, in neuer Funktion zurückzukommen, habe ich die Chance daher gern ergriffen.

Was macht Ihren Job für Sie interessant?

An meinem Job gefällt mir besonders, dass er so abwechslungsreich und stets nah am politischen Geschehen ist. Hier in Brüssel habe ich die Möglichkeit, aktuelle Gesetzesvorhaben zu begleiten und dabei die deutschen Interessen zielgerichtet zu vertreten.

Was liegt gerade ganz oben auf Ihrem Schreibtisch?

Derzeit kann ich nicht sagen, dass etwas ganz oben läge. Ich begleite zahlreiche Themen/legislative Vorschläge parallel, die alle gleich wichtig und aktuell sind - u.a. Bankenunion mit der Frage einer gemeinsamen Einlagensicherung, Digitalisierung im Finanzbereich einschließlich der Schaffung eines digitalen Euro sowie des Umgangs mit Krypto-Vermögenswerten/Stablecoins. Daneben stehen Themen im Zusammenhang mit dem Post-Brexit, COVID-bedingte Auswirkungen sowie ganz aktuell die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine auf der Tagesordnung.

Welches ist Ihr Lieblingsort in Belgien?

In Brüssel liebe ich besonders die vielen guten Restaurants und die interessanten Museen. Mir gefällt aber auch die teilweise malerische Natur im Umkreis von Brüssel. In besonders guter Erinnerung ist mir eine Kanutour in den Ardennen geblieben.

Was aus Sachsen vermissen Sie am meisten in Brüssel?

Neben den in Sachsen wohnenden Teilen meiner Familie und Freunde vermisse ich am meisten die Semperoper in Dresden und die traditionelle erzgebirgische Weihnacht, v. a. die Weihnachtsmärkte und das Neunerlei. Zudem fehlen mir lange Spaziergänge und Ski-Langläufe durch die schönen und tiefen sächsischen Wälder, die ich entspannend finde.

Claudius Nießen: Hat immer einen Koffer in Brüssel

© Martin Jehnichen

Zwar lebt Claudius Nießen seit 2002 in Sachsen, doch ist er regelmäßig länger in Brüssel in Sachen Medienpolitik und Wirtschaft. Er war Geschäftsführer der Freien Akademie der Künste und des Deutschen Literaturinstitutes in Leipzig, bevor er Gesellschafter und Prokurist des Podcast-Radios detektor.fm wurde. Sowohl als Reporter wie auch für die Netzwerkarbeit der Medientage Mitteldeutschland ist er insbesondere zu den Schwerpunkten Medienpolitik und Medienfreiheit zurzeit in Brüssel zu treffen.

Warum sind Sie nach Brüssel gekommen?

Wenn ich nach Brüssel komme, und das passiert regelmäßig, dann meistens um das Netzwerk für die Medientage Mitteldeutschland zu pflegen und auszubauen. Die Medientage sind als B2B-Veranstaltung in den letzten Jahren von einer eher regional wahrgenommenen Veranstaltung zu einem der wichtigsten Medienkongresse in Deutschland aufgestiegen; da sind Themen und Gastredner aus dem EU-Umfeld ein unbedingtes Muss.

Was macht den Job für Sie interessant?

Durch die Vielzahl der Themen und Aufgaben ist kein Tag wie der Andere. Diese Abwechslung, gepaart mit der Relevanz der Themen, macht für mich den Reiz der Aufgaben aus. Aktuell darf ich im Rahmen des Residenzprogramms für Journalismus »Unter (Hoch-)Druck« des Goethe-Institutes Brüssel außerdem eine Podcast-Recherche im Bereich Medienfreiheit in Europa umsetzen und bin dazu ebenfalls immer wieder in Brüssel. Das Goethe-Institut bietet verschiedene Residenzprogramme an, und lädt jedes Jahr Künstlerinnen, Künstler und Kulturschaffende ein, für eine Zeit lang in einem anderen Land und einer anderen Kultur zu leben und zu arbeiten.

Was liegt gerade ganz oben auf Ihrem Schreibtisch?

Das frischgedruckte Programm der Medientage. Diese finden am 01. und 02.06.2022 nach einer hybriden Ausgabe im vergangenen Jahr endlich wieder in Präsenz auf dem Gelände der Baumwollspinnerei in Leipzig statt mit vielen Gästen auch aus Brüssel.

Was ist Ihr Lieblingsort in Belgien?

Das ist ausnahmsweise kein Platz in Brüssel, sondern der Blick vom MAS, dem »Museum aan de Stroom« im Hafenviertel von Antwerpen. Das Museum hat eine unglaublich umfangreiche Sammlung und der Blick von der Dachterrasse über den Hafen ist phänomenal.

Was schätzen Sie an Brüssel besonders?

Brüssel hat einen ganz besonderen Charme, in jeder Gasse und jeder Straße lassen sich beim Flanieren wunderschöne Häuser und liebevolle Läden und Geschäfte entdecken. Außerdem ist Brüssel eine Stadt der Kulinarik, das kann aber auch gefährlich werden, zumindest für den Bauchansatz.

Was vermissen Sie am meisten aus Sachsen?

Meistens sitze ich schon wieder im Zug, bevor sich eine zu große Sehnsucht einstellt.

Dietmar Gattwinkel: Sicherheit für das digitale Zeitalter

© Privat Dietmar Gattwinkel

Dietmar Gattwinkel, zuvor mehr als 20 Jahre in Dresden, ist seit 2018 bei der Europäischen Kommission als »Seconded National Expert«. Mit seiner IT-Expertise unterstützt er die Generaldirektion Kommunikationsnetze, Inhalte und Technologien (CONNECT). Diese hat auch einen Sitz in Luxembourg, wo Dietmar Gattwinkel lebt und arbeitet. CONNECT entwickelt politische Strategien und führt sie aus, um Europa für das digitale Zeitalter zu rüsten.

Warum sind Sie nach Luxembourg gekommen?

Die Europäische Kommission hat einen Nationalen Experten für eGovernment gesucht, um sie bei der Fortentwicklung der Europäischen Policy für diesen Bereich sowie Harmonisierung von Identitäts- und Vertrauensdiensten zu unterstützen. Letztere ermöglichen es, sich grenzüberschreitend gegenüber digitalen Diensten zu authentisieren, also gewissermaßen digital »auszuweisen«, bzw. digitale Einschreiben zu verschicken, digital zu unterschreiben und so weiter. Mit sogenannten »Abgeordneten Nationalen Experten«, verstärkt die EU-Kommission sich nicht nur personell, sondern hält auch Kontakt zu den Mitgliedstaaten.

Was macht den Job für Sie interessant?

Die Arbeit bei der EU-Kommission stellt für mich, und mittelfristig damit auch für die sächsische Verwaltung, eine große Chance dar, die Lösungen und Herangehensweisen kennenzulernen, mit denen andere europäische Behörden den Herausforderungen der Digitalisierung begegnen. Die Zielsetzungen in den einzelnen Mitgliedsstaaten sind oft sehr ähnlich. Tatsächlich haben sich die Mitgliedstaaten in jüngster Vergangenheit auf eine Reihe von gemeinsamen Absichtserklärungen und Zielen geeinigt. Deutschland ist bei der Umsetzung dieser Ziele jedoch bestenfalls Mittelfeld. Andere Mitgliedstaaten sind hier weiter. Die EU-Kommission ist mit allen in einem lebendigen Austausch und dies erweitert den Horizont natürlich ungemein.

Andererseits ist es schön, aus der eigenen langjährigen Erfahrung im eGovernment schöpfen zu können, um die EU-Kommission bei der Umsetzung ihrer Aufgaben zu stärken. Die EU-Kommission hat eine bemerkenswerte Personalfluktuation, so dass sie dankbar für fachliche Unterstützung ist.

Schön sind natürlich auch die Momente, in denen ich den Kolleginnen und Kollegen in Sachsen bei Fragen zu europäischen Themen zur Seite stehen kann.

Nicht zuletzt ist es eine tolle Erfahrung, auf internationaler Ebene zu arbeiten und konkret etwas dazu beizutragen, die Europäische Idee zu leben. Wir erleben in der letzten Zeit, dass diese Idee, die uns solange Frieden und Freiheit beschert hat, immer wieder neu gegen Bestrebungen von außen wie von innen verteidigt werden muss.

Was liegt gerade ganz oben auf Ihrem Schreibtisch?

Die EU-Kommission hat ein ambitioniertes Programm zur Reform der eIDAS-Verordnung vorgelegt. Gleichzeitig werden Legislativvorschlag und technische Umsetzung mit den Mitgliedstaaten beraten. Daneben wollen auch noch andere Projekte wie die Unterstützung der Anwendung von Künstlicher Intelligenz in der Verwaltung und die Kooperation von Verwaltung und Startups im eGovernment (GovTech) bearbeitet werden.

Was ist Ihr Lieblingsort in Luxembourg?

Die Europäische Kulturhauptstadt Esch-sur-Alzette, die ein tolles Programm auf die Beine gestellt hat. Genauer ist es eine ganze Region, die vorlebt, wie Strukturwandel gelingen kann.

Was schätzen Sie an Luxembourg besonders?

Die Internationalität der Stadt und ihrer Bewohner, die sich jeden Tag in so vielen Begegnungen beweist.

Was vermissen Sie am meisten aus Sachsen?

Ehrlich gesagt eigentlich wenig. Wenn man sich auf seine Umgebung einlässt, bleibt wenig Zeit für Wehmut. Was nicht bedeutet, dass ich nicht immer wieder gerne nach Sachsen zurückkehre.

Thomas Starke: EU-Referent des Sächsischen Landtags

© Privat

Seit 2016 berichtet der gebürtige Sachse dem Präsidenten und dem Europaausschuss des Landtages über aktuelle für Sachsen bedeutende Themen der europäischen Politik, unterrichtet das Parlament über Neuigkeiten zu Gesetzgebungsvorhaben der EU und betreut Abgeordnete im Rahmen von Arbeitsbesuchen in der europäischen Hauptstadt.

Aus welchen Gründen sind Sie nach Brüssel gekommen?

Der Sächsische Landtag hatte sich zu Beginn der letzten Wahlperiode entschlossen, ein Verbindungsbüro in Brüssel einzurichten. Als ich gefragt worden bin, ob ich Interesse an dieser Aufgabe habe, brauchte ich nicht lange zu überlegen.

Was macht Ihren Job für Sie interessant?

Ich empfinde es als großes Privileg, im Rahmen meiner Arbeit mit den großen Fragen unserer Zeit zu tun zu haben, für die ich mich auch sonst interessieren würde, aber nicht die Möglichkeit hätte, mich mit ihnen in dieser Intensität zu befassen. Der »Brüsseler Betrieb« erscheint mir zudem im Vergleich zu Deutschland offener, unkomplizierter und hilfsbereiter. Das hat mir gerade am Anfang sehr geholfen.

Was liegt gerade ganz oben auf Ihrem Schreibtisch?

Zurzeit bereite ich die nächste Sitzung unseres Europaausschusses vor, bei der einige Legislativvorschläge der Europäischen Kommission – etwa zur Regulierung politischer Werbung und zur Stärkung des Kommunalwahlrechts für Unionsbürger – auf der Tagesordnung stehen. Außerdem betreue ich derzeit die deutsche Delegation im Kongress der Gemeinden und Regionen des Europarats. Dort steht ja nun nach der Invasion in der Ukraine der Ausschluss Russlands im Raum. Vor diesem Hintergrund wird die Plenarsitzung des Kongresses Ende März in Straßburg sicher interessant.

Welches ist Ihr Lieblingsort in Belgien?

Ganz eindeutig: Brügge mit seiner mittelalterlichen Altstadt, den idyllischen Grachten und dem Beginenhof.

Was aus Sachsen vermissen Sie am meisten in Brüssel?

Die Sächsische Schweiz.

Dr. Kai-Uwe Sprenger: Qualität der Lebensmittel europaweit schützen

© Dr. Kai-Uwe Sprenger

Dr. Kai-Uwe Sprenger ist ein waschechter Sachse: Geboren in Oelsnitz im Vogtland und aufgewachsen in Dresden. Er studierte Landwirtschaft an der Universität Leipzig. Bevor es ihn nach Brüssel verschlug, arbeitete er als Tierzuchtreferent im Landwirtschaftsministerium in Dresden.

Warum sind Sie nach Brüssel gekommen?

Ich kam 2002 nach Brüssel, um in der EU-Kommission im Bereich der Tierkennzeichnung zu arbeiten. Davor hatte ich in den 1990er Jahren schon ein kurzes Praktikum in der EU-Kommission absolviert, das sich an junge Beamte in den neuen Bundesländern richtete. Etwas später war ich zudem für ein halbes Jahr als nationaler Sachverständiger zur EU-Kommission abgeordnet und arbeitete an Importregelungen für Nutztiere.

Was macht den Job für Sie interessant?

Für mich ist es das internationale Umfeld. Ich kann hier mit vielen Menschen zusammenarbeiten, die breite Kenntnisse und Erfahrungen in verschiedenen Bereichen haben. Dazu gehört die gute fachliche Kompetenz, aber auch der jeweilige nationale Hintergrund spielt eine Rolle. Wer aus Spanien oder Schweden kommt, hat selbstverständlich keine deutsche Sichtweise auf die Dinge, sondern bringt andere Erfahrungen mit. Das ist sehr bereichernd.

Was liegt gerade ganz oben auf Ihrem Schreibtisch?

Die Marktsituation im Schweinebereich ist momentan kritisch. Die Frage ist, ob die EU-Kommission in den Marktmechanismus eingreifen soll. Der Markt für Schweinefleisch steht wegen der Schweinepest und Exportrestriktionen unter Druck. Davon ist ja auch Sachsen betroffen.

Außerdem werden die Vermarktungsnormen für tierische Produkte überarbeitet. Zum Beispiel geht es dabei um die Herkunftskennzeichnung von Honig aber auch Kennzeichnungsnormen von Eiern und Geflügelfleisch. Das klingt sehr nach Brüsseler Bürokratie, doch wir alle profitieren, wenn Verbraucherinnen und Verbraucher in der ganzen EU sicher sein können, aus welcher Haltungsform die Eier stammen, die sie gerade kaufen.

Was ist Ihr Lieblingsort in Belgien?

Der botanische Garten der Universität Leuven ist mein Lieblingsort. Ich bin ein Gartenfreund und als Agraringenieur interessieren mich Pflanzen natürlich sehr. Es ist eine kleine aber ungeheuer vielfältige Parkanlage, die im Jahreslauf ständig ihr Gesicht verändert.

Was mögen Sie in Brüssel und was gefällt Ihnen weniger in der Stadt?

In Brüssel mag ich den Jugendstil und überhaupt die vielfältige Architektur. Dann mag ich natürlich noch die kulturelle Vielfalt in der Stadt. Aus der ganzen Welt gibt es hier ein Miteinander, das ich sehr bereichernd finde, auch wenn es nicht immer konfliktfrei ist. Naja, und als Pferdefreund beeindruckt mich immer wieder die berittene königliche Garde, die zu besonderen Anlässen über die Boulevards klappert, zum Beispiel am 21. Juli zum Nationalfeiertag.

Was ich in nicht so gut finde in Belgien, ist das Fehlen von professionellen Handwerksmeistern, hier wird mächtig viel herumgebastelt. Das ist gar kein Vergleich zu Sachsen.

Was vermissen Sie am meisten aus Sachsen?

Auf jeden Fall vermisse ich ein ordentliches Sauerteigbrot und natürlich auch meine alten Freunde aus meiner Schul- und Universitätszeit. Da muss ich halt auch mal ein paar hundert Kilometer fahren, um mit dem einen oder anderen alten Kumpel ein Bier zu trinken.

Filip Lassahn: Arbeitet neben seinem Job auch an seinem Aufschlag

© Lopata/axentis.de

Filip Lassahn, geboren und aufgewachsen in Leipzig, machte zunächst sein Abitur am Sportgymnasium, bevor er Politikwissenschaft an der Universität Leipzig studierte. Heute vertritt er in Brüssel die Interessen des DAX-Konzerns Fresenius. Er ist zudem leidenschaftlicher Tennisspieler.

Warum sind Sie nach Brüssel gekommen?

Bereits während meines Studiums zog es mich immer wieder ins Ausland. Meine Praktika in den Auslandshandelskammern in Thailand und Saudi-Arabien sowie ein Nebenjob als freiberuflicher Berater in den Vereinigten Arabischen Emiraten zeugen davon. Meine berufliche Laufbahn führte mich aber zunächst nach Berlin. Als Trainee bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), einer Körperschaft des öffentlichen Rechts, die sich für die Belange der deutschen Vertragsärztinnen und -ärzte einsetzt, arbeitete ich zuletzt in der Politikabteilung. Nach Brüssel kam ich, als die Leitung für die neue EU-Vertretung der KBV gesucht wurde. Eine Aufgabe, die ich im Jahr 2012 nur zu gerne übernahm.

Was macht den Job für Sie interessant?

Mit dem Wechsel zu Fresenius, einem globalen Gesundheitskonzern, hat sich das Themenspektrum meiner Arbeit noch einmal erweitert. Und genau das ist es, was mir Spaß macht. Es ist der kontinuierliche Austausch zu unterschiedlichsten Themen mit einer Vielzahl von Gesprächspartnern. Zudem geht es darum, politischen Entscheidungsträgern zu verdeutlichen, welche Auswirkungen geplante Gesetzesvorhaben oder Regulierungen auf die medizinische Versorgung der Menschen in Europa oder gar weltweit haben könnten.

Was liegt gerade ganz oben auf Ihrem Schreibtisch?

Das hängt stark davon ab, auf welchen Unternehmensbereich man blickt. Da wir unter anderem generische Arzneimittel und Biosimilars für Patienten mit chronischen und kritischen Erkrankungen herstellen, ist die bevorstehende Überarbeitung der Arzneimittelrichtlinie von großer Bedeutung. Als weltweit führender Anbieter für Produkte und Dienstleistungen zur Dialyse spielen darüber hinaus handelspolitische Themen, wie zum Beispiel das beabsichtigte Freihandelsabkommen mit Indien, eine wichtige Rolle. Des Weiteren verfolgen wir als global diversifiziertes Unternehmen natürlich auch die Diskussionen rund um ein EU-Lieferkettengesetz.

Was ist Ihr Lieblingsort in Belgien?

Das Meer. Für einen Sachsen aus der Leipziger Tieflandsbucht ist die relative Nähe zur Küste ein Gewinn. Die Möglichkeit unkompliziert einen Tag am Strand zu verbringen, schätze ich sehr.

Was schätzen Sie an Brüssel besonders?

Als Expat bewege ich mich, auch beruflich bedingt, überwiegend in der sogenannten »EU-Bubble». Persönlich finde ich dies jedoch sehr bereichernd. Der Austausch mit Menschen aus ganz Europa macht mir Spaß. Zudem schätze ich die große Anzahl an Tennisplätzen, auf denen ich meinem Hobby nachgehen kann.

Was vermissen Sie am meisten aus Sachsen?

Neben der Familie und Freunden natürlich Omas gutbürgerliche Küche.

Anja Patricia Gruhn: Leasen kann man so viel mehr als Fahrzeuge

© Anja Patricia Gruhn

In Reichenbach im Vogtland geboren und aufgewachsen, hat sie nach Abschluss ihres Studiums an der Technischen Universität  Chemnitz Sachsen verlassen.

Ihre berufliche Karriere in Brüssel startete sie als Büroleiterin eines Europaabgeordneten. Nach Zwischenstopps in der Ständigen Vertretung Österreichs bei der EU, der deutschen sowie der Europäischen Bausparkassenvereinigung (EuBV) sowie der Internationalen Vereinigung für Wohnungsbaufinanzierung (IUHF) leitet sie seit 2015 die Repräsentanz des Bundesverbandes der Deutschen Leasing-Unternehmen in Brüssel.

Aus welchen Gründen sind Sie nach Brüssel gekommen?

Zunächst über ERASMUS – den Reiz eines internationalen Umfeldes habe ich während meiner verschiedenen Auslandsstudien im Vereinigten Königreich, den Niederlanden sowie in Belgien entdecken können. Aber in Brüssel bin ich der Liebe wegen hängen geblieben.

Was macht Ihren Job für Sie interessant?

Als Interessenvertreterin kann ich unsere Anliegen über Konsultationen, Anhörungen, Veranstaltungen oder Gespräche in den Gesetzgebungsprozess einbringen. Nur wer rechtzeitig über eine gut begründete Position verfügt, die politischen Gesetzgebungsprozesse kennt und bereit ist, auch europäische Allianzen zu bilden, kann die regulatorischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen mitprägen.

Was liegt gerade ganz oben auf Ihrem Schreibtisch?

Leasing erfordert Vielseitigkeit: Fahrzeuge, Bau- und Landmaschinen, Druck- oder Werkzeugmaschinen, IT-Equipment, Software, Medizintechnik, Energieanlagen, Immobilien – die Leasing-Wirtschaft realisiert für ihre Kunden/innen jährlich Investitionen in Höhe von rund 75 Mrd. EUR. Daher liegen eine Menge aktuelle Themen auf meinem Schreibtisch wie die aktuellen Vorschläge der Europäischen Kommission zur Basel III-Reform, zum Fit for 55-Paket und Nachhaltigkeitsvorhaben sowie die Vorschläge zur Bekämpfung der Geldwäsche.

Was aus Sachsen vermissen Sie am meisten in Brüssel?

Meine Heimat, das schöne Vogtland.

Katja Engelhardt: Mit neuen Technologien fit für die Zukunft

© Katja Engelhardt

Sie kommt ursprünglich aus Prieβnitz bei Frohburg – das liegt ziemlich genau in der Mitte zwischen Leipzig und Chemnitz, doch ihr Herz gehört ganz klar Leipzig, auch wenn sie sich sehr über die Ernennung von Chemnitz zur Europäischen Kulturhauptstadt 2025 gefreut hat. Sie ist seit 2012 in Brüssel und arbeitet bei European Schoolnet, einem Netzwerk, das sich mit allem, was mit Technik in der Schule zu tun hat, beschäftigt.

Warum sind Sie nach Brüssel gekommen?

Ich bin 2012 für ein Praktikum beim Rat der EU gekommen. Das war wirklich aufregend, weil man direkt bei den ja zumeist nicht öffentlichen Verhandlungen der Mitgliedstaaten dabei ist. Damals wurde gerade das erste EU-Programm unter dem neuen Namen »Erasmus+« heiβ verhandelt.

Was macht den Job für Sie interessant?

Wir bei European Schoolnet beschäftigen uns jeden Tag mit der Frage, wie Schulen und Lehrer unsere Kinder gut auf die Zukunft vorbereiten können. Dafür sind wir im engen Austausch mit europäischen Bildungsministerien, Lehrern und Wissenschaftlern.

Was liegt gerade ganz oben auf Ihrem Schreibtisch?

Wir bereiten gerade die Veröffentlichung von zwei interessanten Publikationen vor. In den nächsten Tagen wird der Bericht »The future of school beyond Covid-19« erscheinen, wo wir einen Blick in die Zukunft der Schulbildung über Covid-19 hinaus wagen. Im Januar geht unsere neue Studie »CompuThink II« online, die einen Überblick darüber gibt, inwieweit Programmieren in Schulen in Europa Einzug hält.

Was ist Ihr Lieblingsort in Belgien?

Ich liebe Saint-Gilles und besonders den Parvis, aber auch die vielen Parks in Brüssel. Für Konzerte empfehle ich Botanique.

Was schätzen Sie an Brüssel besonders?

Brüssel ist sehr lebendig und es gibt immer wieder etwas Neues zu entdecken. Man kann Menschen aus ganz Europa treffen. Für mich ist Brüssel wirklich das Herz Europas.

Was vermissen Sie am meisten aus Sachsen?

Ich vermisse Leipzig und dort vor allem das Theater und die tolle Seenlandschaft drum herum. Ein gut erreichbarer Badesee oder Freibad ist das Einzige, das in Brüssel wirklich fehlt!

Ute Kallenberger: Im Auftrag der Datensicherheit unterwegs

© Privat

Sie ist seit 20 Jahren in Brüssel und beaufsichtigt mittlerweile beim Europäischen Datenschutzbeauftragten die Umsetzung der Datenschutzrichtlinien in den EU-Institutionen.

Aus welchen Gründen sind Sie nach Brüssel gekommen?

Ich bin Juristin und 2001 als nationale Sachverständige vom Finanzamt Löbau zur Europäischen Kommission nach Brüssel abgeordnet worden. Nachdem ich ein Auswahlverfahren für die Europäischen Institutionen bestanden hatte, bin ich in Brüssel sozusagen »hängengeblieben«. Nach zehn Jahren, in denen ich mich bei der Europäischen Kommission um den freien Kapitalverkehr gekümmert habe, bin ich zum Europäischen Datenschutzbeauftragten gewechselt, wo ich heute in der Aufsichtsabteilung arbeite.

Was macht Ihren Job für Sie interessant?

Wenn Sie mich so fragen: vielleicht, dass es für mich nicht einfach ein Job, sondern als Europäerin auch ein echtes Anliegen ist. Das interkulturelle und interdisziplinäre Arbeitsumfeld und die Notwendigkeit, sich immer wieder neuen Herausforderungen zu stellen, finde ich spannend an meiner Arbeit. Außerdem verbinden für mich die Europäischen Institutionen alle Vorteile einer nationalen Verwaltung mit allen Vorteilen eines multinational tätigen Unternehmens.

Jeweils drei Eigenschaften von Brüssel, die Sie schätzen bzw. die Sie weniger mögen?

Ich schätze an Brüssel, dass es einem als Ausländer sehr einfach gemacht wird, sich heimisch zu fühlen, dass man hier sehr gut zu essen und trinken weiß sowie den Umstand, dass Brüssel zwar Großstadt ist, sich aber fast alles zu Fuß machen lässt. Weniger schön finde ich das Wetter (aber man gewöhnt sich daran), die zum Teil krassen sozialen Unterschiede, die in Brüssel besonders deutlich hervortreten, und die übergroße Toleranz der Brüsselaner gegenüber Hunden und deren Hinterlassenschaften.

Was aus Sachsen vermissen Sie am meisten in Brüssel?

Jeden Dezember die ganz besondere Stimmung auf den Weihnachtsmärkten und Leinöl. Pellkartoffeln mit Quark (meine Leibspeise) sind nicht dasselbe ohne Leinöl.

William Hammer: Werben für die EU

© William Hammer

William Hammer ist gebürtiger Freitaler und arbeitet in Brüssel für ICF Next. Er plant und begleitet europaweite Kommunikationskampagnen und Veranstaltungen für die Generaldirektionen der Europäischen Kommission.

Aus welchen Gründen sind Sie nach Brüssel gekommen?

Ich bin aus Neugier nach Brüssel gekommen. Während meines Studiums an der TU Dresden haben die Europäische Union und ihre Institutionen nur in wenigen Kursen eine Rolle gespielt und ich wollte herausfinden, was das denn nun ist – diese »EU«. An der Universität VUB (Vrije Universiteit Brussel) hier in Brüssel füllte ich dann zunächst meine theoretischen Wissenslücken und sammelte parallel dazu, unter anderem im Sachsen-Verbindungsbüro, wertvolle praktische Erfahrung.

Was macht Ihren Job für Sie interessant?

Mein Job ist sehr abwechslungsreich und ich kann auch viel in der EU reisen. Erst letztes Jahr haben mein Team und ich zum Beispiel ein europaweites Projekt abgeschlossen, bei dem wir, unter anderem auch gemeinsam mit dem Enterprise Europe Network (EEN) in Sachsen, Unternehmen über die vielfältigen Unterstützungsleistungen der Europäischen Kommission informierten. In einer anderen Kampagne ermutigen wir junge Menschen dazu, Europa mit dem Zug zu entdecken. Besonders interessant für mich sind immer Pressereisen, bei denen wir Journalistinnen und Journalisten vor Ort anhand konkreter Projekte zeigen, was beispielsweise mit dem Geld aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) passiert.

Letztendlich empfinde ich meinen Job als sinnstiftend, da meine Arbeit auf hoffentlich möglichst unterhaltsame Weise teils abstrakte EU-Politiken konkret erfahrbar macht und Bürgerinnen und Bürgern deren Nutzen vor Augen führt.

Was liegt gerade ganz oben auf Ihrem Schreibtisch?

Zurzeit arbeite ich an der Produktion und Veröffentlichung verschiedener Podcasts für die Europäische Kommission. Parallel dazu bereite ich eine Forschungs- und Wissenschaftskonferenz für eine EU-Agentur presseseitig vor.

Welche Orte in Brüssel haben Sie als erstes entdeckt?

Als Student habe ich natürlich als erstes den Campus und die Bars im näheren Umfeld erkundet. Meine erste Wohnung lag in Schaerbeek, einem Stadtteil, den ich aufgrund seiner Lebendigkeit sehr schätze. Dort gab es für mich, auch heute noch, an jeder zweiten Hausecke etwas Neues zu entdecken.

Was aus Sachsen vermissen Sie am meisten in Brüssel?

Neben meiner Familie vermisse ich wohl den Dialekt am meisten. In meinem Bücherregal steht ein Gedichtband von Lene Voigt, den ich ab und an herausziehe, um die sächsische Mundart zu pflegen.

Pia Schilberg: Neue Vertreterin der sächsischen Kommunen in Brüssel

© © Fotostudio »Blende auf«, SLKT

Noch bis vor kurzem Beauftragte für Kulturtourismus und kulturelle Sonderaufgaben sowie interimsweise Leiterin des Kulturreferates in Torgau arbeitet Pia Schilberg seit wenigen Monaten im Europabüro der sächsischen Kommunen in Brüssel, in Bürogemeinschaft mit den bayerischen und baden-württembergischen Kommunen. Sie wertet in erster Linie Informationen zu aktuellen europapolitischen Vorgängen mit kommunaler Relevanz aus und vermittelt Anliegen der Kommunen bzw. der kommunalen Verbände an die Akteure und Organe auf EU-Ebene.

Aus welchen Gründen sind Sie nach Brüssel gekommen?

Seit August leite ich das Europabüro der sächsischen Kommunen, was im Rahmen einer zweijährigen Entsendung erfolgt. Ich freue mich auf die Arbeit an der Schnittstelle zwischen den Institutionen der EU und den sächsischen Städten und Regionen. In Bürogemeinschaft mit den Europabüros der bayerischen und der baden-württembergischen Kommunen werten wir aktuelle europapolitische Informationen aus und vermitteln kommunale Anliegen auf europäischer Ebene.

Was macht Ihren Job für Sie interessant?

Der Austausch mit Akteuren aus unterschiedlichsten Fachbereichen sowie die Scharnierfunktion zwischen der eher abstrakten EU-Ebene und der konkreten Arbeit der sächsischen Kommunen vor Ort ist eine spannende Herausforderung.

Was liegt gerade ganz oben auf Ihrem Schreibtisch?

Die Bürogemeinschaft ist nach langer Corona-bedingter Pause in neuer Besetzung wieder in Brüssel, so dass es zunächst gilt, entsprechende Arbeitsstrukturen zu schaffen und neue Netzwerke zu knüpfen. Inhaltlich geht es aktuell vor allem um die Beschäftigung mit dem »Green Deal« und die damit verbundenen Auswirkungen auf Städte und Gemeinden sowie um die Stärkung des ländlichen Raums.

Welche Orte in Brüssel haben Sie als erstes entdeckt?

Gleich zu Beginn habe ich das Fin-de-Siècle-Museum erkundet, wo mich vor allem die Werke von Constantin Meunier sehr beeindruckt haben. Rund um das Europaviertel bin ich gerne im Parc Léopold oder im Jubelpark.

Vermissen Sie die sächsische Heimat?

Ich bin zwar keine gebürtige Sächsin, aber habe viele Jahre in Leipzig und Torgau gelebt und gearbeitet und mich dort sehr wohl gefühlt. Den Charme dieser beiden Städte vermisse ich schon, aber die Bürogemeinschaft macht es mir leicht, mich in Brüssel einzuleben.

Karina Hahn: EU-Betrügern auf der Spur

Karina Hahn © Karina Hahn

Karina Hahn ist gebürtige Leipzigerin und arbeitet in Brüssel für das Europäische Amt für Betrugsbekämpfung (OLAF). Sie geht Betrügen mit EU-Geldern nach und untersucht, ob bei der Verwendung von EU-Geldern im Bereich von Forschung und Innovation durch Projektbeteiligte möglicherweise Unregelmäßigkeiten oder Betrug begangen wurden.

Aus welchen Gründen sind Sie nach Brüssel gekommen?

Es war eine Mischung aus Abenteuerlust und aus Gründen der Liebe. Sogar die Sächsische Zeitung hat damals einen eigenen Artikel zu meinem Berufswechsel geschrieben.

Was ist Ihr Beruf?

Ich bin »Investigator« beim Europäischen Amt für Betrugsbekämpfung, OLAF. »Investigator« heißt auf Deutsch eigentlich Ermittler, aber da dies eher eine Bezeichnung aus dem juristischen Bereich ist und OLAF Untersuchungen durchführt, nenne ich mich im Deutschen ganz schnöde: Untersuchungsbeauftragte. Aber ganz ehrlich: Unter »Ermittlerin« kann sich jeder eher etwas vorstellen.

Was macht Ihren Job für Sie interessant?

Neben den täglichen Herausforderungen, die nicht immer nur fachlicher Natur sind, sind es die unterschiedlichen Sachverhalte, mit denen man konfrontiert ist. Dazu gehört auch die Vielfalt an Sprachen, in denen kommuniziert wird.

Was liegt gerade ganz oben auf Ihrem Schreibtisch?

Ganz aktuell stapeln sich die Schlussberichte zu den einzelnen Untersuchungsfällen auf meinem Schreibtisch.

Welches ist Ihr Lieblingsort in Belgien?

Der Golf-Club am Stadtrand von Brüssel.

Was aus Sachsen vermissen Sie am meisten in Brüssel?

Am meisten vermisse ich meine Mutter, Leipziger Lerchen/Dresdner Eierschecke und das bessere Wetter in Sachsen.

Zeitungsartikel Interview Sächsische Zeitung 11.01.2004 © Sächsische Zeitung 11.01.2004

Florian Woitek: Für Strukturentwicklung in Brüssel

Florian Woitek © Privat/ Tom Dachs, Leipzig

 

Florian Woitek ist gebürtiger Leipziger und arbeitet seit 2020 in der Generaldirektion Energie der Europäischen Kommission, wo er für europäische Kohleregionen und »Just Transition« zuständig ist.

 

 

 

 

Warum sind Sie nach Brüssel gekommen?

In Brüssel trage ich Sachsen im Herzen und auf der Zunge. Und wenn ich in Sachsen bin, ist es umgekehrt, dann trage ich Europa im Herzen und auf der Zunge. Ich habe lange im sächsischen Wirtschaftsministerium gearbeitet und hatte viel mit der Europäischen Kohleplattform zu tun. Dann wurde ich gefragt, ob ich mich als nationaler Experte bewerben möchte.

Was macht den Job für Sie interessant?

Dass ich Erfahrungen von vor Ort in die Kommission einbringen kann. Die EU ist ein Mehrebenensystem, da bleibt vieles zwangsläufig abstrakt. Die konkrete Situation vor Ort, wie europäische Politiken dort viel Positives bewirken, das erreicht die Menschen in Brüssel nicht automatisch. Es ist ein wichtiger Teil meines Jobs, das zu vermitteln.

Was liegt gerade ganz oben auf Ihrem Schreibtisch?

Neben dem Briefbeschwerer mit der Skyline von Leipzig… Im Moment organisieren wir die nächste Konferenz der Kohleplattform im November. Auch da geht es genau darum: Wir wollen Beispielen für erfolgreiche Strukturentwicklung Raum geben, natürlich auch aus den sächsischen Revieren.

Was ist Ihr Lieblingsort in Belgien?

Die Schokoladenfabrik von Neuhaus. Weil man da Pralinen selbst herstellen kann und wegen der Geschichte: Neuhaus war Apotheker. Er hat die bitteren Pillen in Kakaomasse gehüllt und sie so genießbar gemacht. Der Legende nach die Erfindung der belgischen Praline.

Was schätzen Sie an Brüssel besonders?

Für Ostdeutsche eröffnet Brüssel eine ganz andere Perspektive auf Europa. Von Sachsen aus schauen wir auf Prag oder Wrocław. Von Brüssel aus sind dagegen Paris, Amsterdam oder Strasbourg ganz nah.

Was vermissen Sie am meisten aus Sachsen?

Brüssel ist eine sehr europäische Stadt und ich finde, auch Sachsen darf durchaus mehr Europa wagen. Ich wünsche mir mehr Sächsisches in Brüssel.

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